Blumen- und 
Gartenbilder

Blumen- und Gartenbilder


 

Von Kindheit an war Emil Nolde eng mit der Natur verbunden – dieses innige Verhältnis hat ihn tief geprägt und sein künstlerisches Schaffen nachhaltig beeinflußt. Im Jahre 1906 malte er auf der Ostseeinsel Alsen erste Blumen- und Gartenbilder, mit denen er zur Farbe als seinem eigentlichen Ausdrucksmittel findet. „Farben, das Material des Malers: Farben in ihrem Eigenleben, weinend und lachend, Traum und Glück, heiß und heilig wie Liebeslieder und Erotik, wie Gesänge und herrliche Choräle“, schreibt er.
 
Überall, wo der Maler sich niedergelassen hat, legte er Blumengärten an, auf Alsen, später vor seinem Haus Utenwarf, weit eigenwilliger und reicher um sein Wohn- und Atelierhaus Seebüll. Sie regten den großen Magier der Farben an zu seinen leuchtenden Gemälden und virtuosen Blumenaquarellen, die meist unmittelbar vor der Natur entstanden sind. „Die Farben der Blumen zogen mich unwiderstehlich an, und fast plötzlich war ich beim Malen… Die blühenden Farben der Blumen und die Reinheit dieser Farben, ich liebte sie“, bekennt er.
 
„Noldes Blumen- und Gartenbilder stehen dem übrigen Werk in künstlerischem Rang und in Bedeutung nicht nach“, so Professor Dr. Manfred Reuther, Direktor der Nolde Stiftung Seebül. „In seiner Aquarellmalerei verfolgt Nolde das Thema bis ins hohe Alter, bis zu letzten Arbeiten.“
 
Emil Nolde zieht im Frühjahr 1916 von der Insel Alsen in das Bauernhaus Utenwarf nahe der Nordsee und legt einen prächtigen Garten an, der ihn zu zahlreichen Blumen- und Gartenbildern anregt. Im Sommer 1922 entsteht eine Reihe eindrucksvoller Gemälde mit Blumengärten, die der Maler durch eine alphabetische Zählung kennzeichnet, darunter das ausgestellte Gemälde „Blumengarten (O)“. Aus dem flimmernden Farblicht, der kleinteiligen Malweise und der diffusen Räumlichkeit früher Blumenbilder ist eine großzügig gestaltete, rhythmisch gegliederte Bildorganisation mit planen Farbflächen geworden. Komplementärkontraste steigern die Leuchtkraft der Farben. Nolde hat sich immer mehr vom Bildgegenstand befreit und eine eigenständige Bildsprache entwickelt, angeregt durch die äußere Natur. Er malt entweder unter freiem Himmel im Garten oder im Atelier, wo er losgelöst von seinem Gartenaufenthalt die Entwürfe und Bildgedanken ausarbeitet und vervollständigt. Er läßt sich von seiner eigenen Vorstellungskraft leiten und versucht, die geschaute Natur „in seiner, nur ihm eigenen Art“ und „in seiner geistigen Umwertung“ wiederzugeben, ohne die unmittelbare Verbindung zu ihr aufzugeben.